Spinnen sind in deutschen Wohnungen die meistgehassten Mitbewohner, und gleichzeitig die am häufigsten missverstandenen. Über 600 Spinnenarten leben in Deutschland, davon vielleicht 15 in einer typischen Berliner Wohnung. Praktisch alle sind harmlos. Trotzdem behandeln wir jedes Jahr Hunderte von Anrufen, die mit dem Satz beginnen: „Da ist eine Riesenspinne im Bad". Hier erklären wir, was Sie wissen müssen, bevor Sie einen Profi rufen.
Die wichtigste Tatsache zuerst: Es gibt keine gefährlichen einheimischen Spinnen in Berlin
Keine in Deutschland lebende Spinne kann mit ihrem Biss einem Menschen ernsthaft schaden. Selbst die berüchtigte Wespenspinne und der Ammen-Dornfinger, die einzigen einheimischen Arten, deren Biss überhaupt durch die menschliche Haut kommt, verursachen maximal eine lokale, mückenstichähnliche Reaktion. Tödliche Spinnenbisse passieren in Australien, Brasilien und Texas, nicht in Charlottenburg.
Was Sie vielleicht in Berlin sehen, ist die Große Hauswinkelspinne (Tegenaria atrica): dunkelbraun, beinspannweite bis zu 10 cm, schnell, Liebhaber dunkler Ecken in Kellern und unter Möbeln. Sie sieht furchteinflößend aus, ist aber harmlos. Ihre größte Gefahr für Sie ist Erschrecken, und das daraus folgende Stolpern.
Häufige Spinnenarten in Berliner Wohnungen
Hauswinkelspinne (Tegenaria atrica)
Die berühmte Riesenspinne aus dem Bad oder Keller. Lebt in Trichternetzen und ist tagsüber unsichtbar, kommt nachts heraus. Beißt Menschen extrem selten und nur bei direkter Bedrohung, der Biss ist mit einem Mückenstich vergleichbar. Lebt zehn Jahre und mehr.
Zitterspinne (Pholcus phalangioides)
Lange dünne Beine, kleiner Körper, hängt kopfüber in unordentlichen Netzen an Decken und in Ecken. Wenn man sie stört, vibriert sie heftig im Netz, daher der Name. Nützlich, weil sie andere Spinnen, einschließlich der Hauswinkelspinne, jagt und tötet.
Kreuzspinne (Araneus diadematus)
Die klassische Gartenspinne mit dem Kreuz auf dem Rücken. Lebt eigentlich draußen in Radnetzen, kommt aber gelegentlich auf Balkone und Terrassen. Vor dem Winter manchmal in Garagen und Kellern. Harmlos.
Wespenspinne (Argiope bruennichi)
Auffällig gelb-schwarz gebänderter Körper. Eingewandert, in Berliner Gärten heute häufig. Baut Radnetze in der Nähe des Bodens. Kann beißen, ist aber praktisch ungefährlich.
Ammen-Dornfinger (Cheiracanthium punctorium)
Die einzige einheimische Spinne, deren Biss spürbar ist (vergleichbar mit Wespenstich). Lebt in Wiesen und Feuchtgebieten, in Berlin selten in Wohnungen. Keine Lebensgefahr, aber Vorsicht bei direktem Kontakt.
Warum Spinnen in Wohnungen nicht entfernt werden müssen
Spinnen sind Räuber. Sie fressen Mücken, Fruchtfliegen, Motten, Silberfische und kleinere Schaben. Eine durchschnittliche Wohnung mit zehn Spinnen hat deutlich weniger Insekten als eine ohne. Das ist der Grund, warum wir Privatkunden in der Regel davon abraten, Spinnen zu bekämpfen, die Wohnung wird danach nicht angenehmer, sondern voller anderer Schädlinge.
Was wir empfehlen: Spinnen mit einem Glas und einem Stück Pappe einfangen und nach draußen setzen. Das tötet nichts und löst das psychologische Problem.
Wann ein Profi sinnvoll ist
Es gibt Situationen, in denen wir tatsächlich behandeln:
- Schwere Spinnenphobie: Wenn jemand im Haushalt klinisch arachnophob ist und wegen Spinnen Räume nicht mehr betreten kann, ist eine Reduktionsbehandlung sinnvoll. Wir vernebeln vor allem Keller, Garagen und ungenutzte Räume mit pyrethrumhaltigen Mitteln, die Spinnen reduzieren, ohne komplett zu entfernen. Festpreis ab 110 Euro.
- Massiver Befall in Außenbereich: Manche Lagerhallen, Hofeinfahrten und Carports sind buchstäblich voll mit Hauswinkelspinnen, Hunderte. Hier reduziert eine professionelle Behandlung das Niveau auf etwas Erträgliches.
- Gewerblich relevante Bereiche: Hotels, Restaurants und Konferenzräume können sich Spinnenfäden in den Ecken nicht leisten. Wir behandeln diese mit regelmäßigen Kontrollterminen.
- Wespen- oder Hornissennester werden für Spinnennester gehalten: Manchmal werden uns Fotos geschickt von einem „großen Spinnennest", und es ist tatsächlich ein junges Wespennest. Ein Profi kann die Unterscheidung machen.
Was nicht funktioniert
- Lavendelspray: Spinnen reagieren nicht auf Lavendel. Das ist ein Mythos.
- Kastanien in den Ecken: Hat keinen messbaren Effekt.
- Ultraschall-Geräte: Funktionieren nicht. Spinnen haben keine Ohren in dem Sinne, sie nehmen Vibrationen über Beinhärchen wahr, nicht über Schall.
- Sprühdosen aus dem Baumarkt: Töten die zwei Spinnen, die Sie gerade sehen, aber nicht die zwanzig in den Ritzen, wo Sie nicht sehen. Bringt nichts.
Was wirklich gegen Spinnen hilft
- Andere Insekten reduzieren: Wo es viele Mücken, Motten und Schaben gibt, gibt es viele Spinnen. Insekten am Eindringen hindern (Fliegengitter, Türabdichtungen) reduziert das Spinnenangebot um 80 %.
- Aufräumen: Spinnen verstecken sich gerne in Stapeln. Weniger Stapel, weniger Verstecke.
- Ritzen abdichten: Hauswinkelspinnen kommen über Bodenritzen und Sockelleisten herein. Dichtungen helfen.
- Lichtquellen vom Haus weg: Außenlicht zieht Insekten an, Insekten ziehen Spinnen an. Bewegungsmelder statt Dauerlicht reduziert beides.
Falls Sie einen massiven Befall haben oder wegen einer Phobie Hilfe brauchen, sind wir der erste Ansprechpartner für Spinnenbekämpfung in Berlin. Anruf: 030 340 46 300. Bei einer einzelnen Hauswinkelspinne im Bad raten wir aber ab, ein Glas und eine Pappe sind die richtige Antwort.
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