Wir sind Kammerjäger und verdienen Geld damit, dass Leute uns rufen. Trotzdem sagen wir am Telefon regelmäßig: „Das brauchen Sie nicht. Kaufen Sie sich für 8 Euro Pheromonfallen im Drogeriemarkt." Wann lohnt sich ein Profi, und wann ist er rausgeworfenes Geld? Hier ist die ehrliche Antwort, geordnet nach Schädling, aus zehn Jahren Berliner Praxis.
Eine generelle Regel vorab
Es gibt drei Situationen, in denen ein Profi praktisch immer notwendig ist:
- Bei meldepflichtigen Schädlingen in Lebensmittelbetrieben oder öffentlichen Einrichtungen (Schaben, Ratten, Pharaoameisen).
- Bei Verdacht in Mietshäusern, wo mehrere Wohnungen betroffen sind — Selbstbehandlung verschiebt das Problem nur.
- Wenn Sie nach zwei eigenen Versuchen kein Erfolgserlebnis haben — dann ist Geld für den Profi besser investiert als ein dritter Versuch mit dem nächsten Baumarktprodukt.
Schädling für Schädling
Wespen — meistens Profi
Ein Wespennest unter dem Dach sollte fast immer ein Profi entfernen. Begründung: Sie brauchen Schutzanzug (sonst werden Sie gestochen, oft mehrfach), Sie müssen das Nest komplett entfernen (Reste werden zu Beute für andere Insekten) und es geht um Artenschutz (Wespen sind grundsätzlich geschützt). Selbstgemacht endet das fast immer in zerstochenem Gesicht und einem zur Hälfte entfernten Nest, das dann weiter wirkt. Ausnahme: ein Mini-Nest am Anfang im April mit zehn Tieren — das könnten Sie auch selber abkratzen, wenn Sie nicht allergisch sind und einen Hut tragen.
Hornissen — IMMER Profi
Hornissen sind streng geschützt. Selbstbehandlung ist illegal. Punkt. Rufen Sie einen Umsiedlungsfachmann.
Ameisen im Garten — meistens selber
Wegameisen in der Pflasterfuge sind ein Hausmittelfall: heißes Wasser über das Nest, danach mit Sand und Kalk auffüllen. Sie kommen wieder, aber das ist erträglich. Ein Profi braucht es nur bei Pharaoameisen (winzige gelbliche Ameisen, oft in beheizten Räumen) oder bei Holz zerstörenden Rossameisen.
Ameisen in der Wohnung — Mischfall
Eine Ameisenstraße zur Honigschüssel löst sich in der Regel selbst auf, wenn Sie Honig wegräumen, Eintrittspunkte mit Essigwasser wischen (überdeckt die Pheromonspur) und vielleicht Köderboxen aufstellen. Wenn die Ameisen nach zwei Wochen Hartnäckigkeit immer noch da sind und Sie keinen Eintrittspunkt finden — dann Profi.
Mäuse — Mischfall
Eine einzelne Maus in einer Einzimmerwohnung können Sie mit zwei oder drei Schlagfallen aus dem Baumarkt selber lösen. Wir machen es schneller, aber für 110 Euro ist das nicht jedem den Aufpreis wert. Ein Profi ist nötig, wenn: mehrere Mäuse, oder Mäuse in Mehrfamilienhäusern (sie kommen aus dem Hauskanal nach), oder Mäuse in Einrichtungen mit Lebensmitteln, oder wenn Sie nach drei Wochen mit Fallen immer noch Kotspuren finden.
Ratten — IMMER Profi
Wanderratten sind keine Mäuse. Sie sind groß, intelligent, lernen aus Köderversuchen und können Ihnen tatsächlich gefährlich werden, vor allem über übertragene Krankheiten (Leptospirose, Hantavirus). Außerdem ist ihre Bekämpfung in vielen Fällen meldepflichtig nach §17 Infektionsschutzgesetz. Selbst ein erfahrener Hobbygärtner sollte hier den Profi rufen.
Bettwanzen — IMMER Profi
Hier sind wir besonders deutlich: Bettwanzen sind der Schädling, bei dem Selbstbehandlung am häufigsten katastrophal endet. Sprays aus dem Baumarkt töten ein paar Tiere, vertreiben aber den Rest tiefer in die Wand und in Nachbarräume. Aus drei Tieren werden in zwei Monaten dreißig, und plötzlich haben Sie das Problem in mehreren Räumen statt in einem. Außerdem: Hitzebehandlung — die einzige zuverlässige Methode — ist nichts, was Sie sich ausleihen können. Profi ab dem ersten Verdacht.
Schaben / Kakerlaken — IMMER Profi
Schaben in der Wohnung sind, wenn Sie eine sehen, in der Regel ein Hinweis auf hundert weitere in Ritzen und Wänden. Sie verbreiten sich entlang von Kabelkanälen und Wasserleitungen. In Mehrfamilienhäusern bedeutet ein Befall in einer Wohnung fast immer Befall im ganzen Haus. Profi und koordinierte Hausbehandlung sind Standard.
Flöhe — meistens Profi
Wenn Sie eine Katze oder einen Hund haben und das Tier gegen Flöhe behandelt wird (Spot-on, Halsband), dann reichen oft Flohpuder und gründliches Saugen, um den Befall in der Wohnung zu kontrollieren. Wenn der Befall aus einer anderen Quelle kommt (Tiere des Vormieters, eingeschleppte Tiere) oder wenn Sie nach zwei Wochen Stiche bekommen, dann Profi. Eine professionelle Wohnungsbehandlung mit Spray und Pyrethrum-Nebel hält meist nach einem Termin, ist aber nur sinnvoll mit gleichzeitiger Behandlung des Tieres durch den Tierarzt.
Lebensmittelmotten — meistens selber
Ein klassischer DIY-Fall. Vorratsschrank ausräumen, alle Packungen prüfen, befallene weg, Schrank aussaugen, Pheromonfallen aufstellen. Mehr braucht es in 90 % der Fälle nicht. Ein Profi ist sinnvoll bei massivem Befall in einem Restaurant oder Hotel, wo Pheromonfallen allein nicht reichen und gezielte Vernebelung in Lagerräumen sinnvoll wird.
Kleidermotten — Mischfall
Mit Lavendelsäckchen kommen Sie nicht weit. Mit gründlichem Schrankräumen, Wäsche bei 60 °C waschen oder einfrieren bei −18 °C, und biologischen Schlupfwespen aus dem Internet-Versand können Sie viel selbst machen. Profi nur bei sehr großen Pelz- oder Wollteppichbeständen oder in Antiquitätenhandlungen.
Silberfische — meistens selber
Silberfische sind ein Feuchtigkeitssignal. Bekämpfen Sie das Feuchtigkeitsproblem (Bad lüften, Wäsche nicht im Schlafzimmer trocknen, defekte Dichtungen reparieren), und die Silberfische verschwinden meistens innerhalb von zwei Monaten. Ein Profi ist sinnvoll, wenn Sie nach baulicher Korrektur immer noch welche sehen oder wenn Sie wegen Asthma nicht selbst mit Köderdosen hantieren wollen.
Tauben — meistens Profi
Tauben am Balkon vergrämen Sie mit Spikes, Vogelnetzen oder elektrischen Drähten. Wenn der Balkon klein ist und Sie handwerklich begabt, können Sie Spike-Streifen aus dem Baumarkt selber montieren. Bei Fassaden, denkmalgeschützten Gebäuden oder größeren Objekten ist Profi-Montage vorgeschrieben oder mindestens sinnvoll.
Marder — IMMER Profi
Marder auf dem Dachboden vergrämen sich mit Geräten, Duftstoffen oder Lebendfallen — letztere sind in Berlin nur durch lizenzierte Personen erlaubt. Außerdem ist der Steinmarder geschützt, Selbstmaßnahmen sind rechtlich heikel. Anrufen.
Holzwurm — Mischfall
Bei einem alten Befall in einem Möbelstück können Sie das Möbelstück in eine Folienkammer stellen und mit Stickstoffspülung selbst ersticken (Service über Restauratoren). Bei aktivem Befall in der Bausubstanz (Dachstuhl, Balken) ist immer ein Gutachten und meist eine professionelle Heißluft- oder Mikrowellenbehandlung nötig.
Die finale Faustregel
Wenn Sie nach zwei Wochen mit Eigenmaßnahmen keinen Erfolg sehen, hören Sie auf, weiter Geld in Baumarktprodukte zu stecken. Ein einziger Profi-Termin für 110 bis 180 Euro löst in der Regel das Problem, das ein Heimwerker mit drei oder vier Anläufen nicht gelöst kriegt. Das ist nicht wegen mangelndem Geschick — es ist wegen Erfahrung, Zugang zu professionellen Wirkstoffen und der Fähigkeit, Verstecke zu finden, die ein Laie nicht kennt.
Im Zweifel: ein WhatsApp-Foto an uns, kostenlose Erstberatung. Wir sagen Ihnen ehrlich, ob Sie das selber lösen können oder wir kommen sollen. 030 340 46 300.
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