Kakerlaken sind in Berliner Mehrfamilienhäusern kein Einzelphänomen mehr. Wir sehen sie immer häufiger, besonders in Altbauten mit alten Küchenschächten und im Bereich Wedding, Neukölln, Moabit und Lichtenberg. Das tückische: in 9 von 10 Fällen reicht die Einzelbehandlung einer betroffenen Wohnung nicht aus. Hier erklären wir, warum das so ist und wie eine wirklich nachhaltige Bekämpfung funktioniert.
Warum Einzelwohnungen nicht funktionieren
Die Deutsche Schabe (Blattella germanica) ist der häufigste Schädling in Berliner Wohnhäusern. Sie wandert durch:
- Leitungsschächte für Wasser, Abwasser, Heizung und Elektro — quer durch alle Stockwerke.
- Kabeldurchführungen und Installationskanäle zwischen Wohnungen.
- Lüftungsschächte in Bädern und Küchen.
- Ritzen unter Sockelleisten und Fugen im Parkett, besonders im Altbau.
Das heißt: wenn wir nur Wohnung Nr. 3 im 2. OG behandeln, wandern die Tiere vorübergehend in Wohnung Nr. 5 im 3. OG und kommen nach 6 Wochen zurück. Der Mieter in Nr. 3 glaubt, das Problem sei gelöst — bis es wieder anfängt. Wir erleben das regelmäßig: Kunden, die uns rufen, nachdem bereits ein anderer Betrieb behandelt hat, der aber nur die eine Wohnung bearbeitet hat.
Die Gesetzeslage: Meldepflicht
Nach § 17 Infektionsschutzgesetz (IfSG) besteht in Berlin eine Meldepflicht bei einem Schabenbefall in Mehrfamilienhäusern und Gewerbebetrieben. Das Gesundheitsamt ist zu informieren. Als Fachbetrieb übernehmen wir die Dokumentation und Kommunikation.
Wichtig: Die Meldung ist kein Drama. Das Gesundheitsamt kommt nicht mit Sirenen, es geht darum, dass der Befall dokumentiert und eine fachgerechte Bekämpfung sichergestellt ist. In der Regel reicht unser Einsatzbericht als Nachweis.
Wer ist zuständig und wer zahlt?
Bei einem Schabenbefall in einer Mietwohnung ist in der Regel der Vermieter bzw. die Hausverwaltung verantwortlich. § 535 BGB verpflichtet ihn, die Mietsache in einwandfreiem Zustand zu halten. Bei einem Befall, der durch Leitungsschächte verursacht ist, trägt definitiv der Vermieter die Kosten, weil der Mangel an der Gebäudesubstanz liegt.
Ausnahme: wenn nachweislich der Mieter die Schaben eingeschleppt hat (z.B. durch Second-Hand-Möbel oder Lebensmittel aus einem Befallsraum), kann er in Teilen zur Zahlung verpflichtet werden. Das ist selten. Wir dokumentieren bei jedem Einsatz, wo der Befall seinen Ursprung hat, damit die Haftungsfrage klar ist.
Der richtige Ablauf: Hausbekämpfung
So führen wir eine Mehrfamilienhaus-Behandlung durch:
- Erstbesichtigung und Bestandsaufnahme. Wir inspizieren alle betroffenen und angrenzenden Wohnungen, Keller, Heizungsraum und Hausflur. In Berliner Altbauten fast immer: Der "zentrale Hotspot" ist meist das Hausküchen-Steigleitungs-Areal im Erdgeschoss.
- Informationsblätter an alle Mieter. Wir erstellen ein mehrsprachiges Merkblatt (Deutsch, Russisch, Türkisch, Arabisch je nach Bedarf), das die Hausverwaltung aushängt. Es erklärt, was die Mieter zur Vorbereitung tun sollen.
- Koordinierte Gel-Behandlung. Wir legen in jeder betroffenen Wohnung an allen relevanten Stellen (hinter Küchengeräten, unter der Spüle, in Schränken) punktuelle Gel-Köder aus. Gel wirkt zeitverzögert — die Schabe nimmt es auf, kehrt ins Nest zurück und überträgt den Wirkstoff auf andere Tiere durch Fressverhalten und Kotkontakt. Ideal gegen Nester, die wir nicht direkt erreichen.
- Installationsschächte und Übergänge behandeln. Mit speziellen Stäubemitteln dringen wir in die Schächte ein. Das ist die kritische Stelle — wer sie überspringt, hat das Problem in 2 Monaten wieder.
- Monitoring mit Klebefallen. Wir legen Klebefallen in allen Wohnungen und im Keller aus. Nach 2-3 Wochen wissen wir genau, wo noch Aktivität ist.
- Nachkontrolle und Nachbehandlung. Nach 3 Wochen zweite Behandlung, nach 6 Wochen Erfolgskontrolle. Bei Bedarf dritte Runde.
- Abschlussbericht für die Hausverwaltung. Dokumentiert den gesamten Einsatz, ist Nachweis für Gesundheitsamt und Mieterkommunikation.
Was Mieter selbst tun müssen
Ohne die Mitwirkung aller Bewohner funktioniert keine Hausbekämpfung. Das ist das schwierigste Thema, weil nicht alle kooperieren. Was wir von den Mietern erwarten:
- Zugang zu allen Räumen am Behandlungstag
- Küche geräumt — Geschirr aus Schränken, Lebensmittel abgedeckt
- Keine Selbstbehandlung mit Sprays aus dem Baumarkt — das treibt die Schaben in die Nachbarwohnungen, macht alles schlimmer und stört die Gel-Wirkung
- Küchenabfälle nicht offen stehen lassen, keine Essensreste an der Spüle
- Offene Ritzen mit Silikon verschließen, besonders hinter dem Herd und unter der Spüle
Kosten
Für eine Einzelwohnung liegt die Schabenbehandlung bei 280-450 EUR, je nach Größe und Befall. Für eine Hausbekämpfung (6-12 Wohnungen) rechnen wir nach Aufwand, üblich sind 1.800-4.500 EUR für den kompletten Einsatz inklusive Nachkontrollen. Das klingt nach viel, ist aber pro Wohnung günstiger als 5 Einzelbehandlungen hintereinander, die nicht halten.
Was Mieter tun können, wenn der Vermieter nichts unternimmt
Ein häufiger Fall. Schriftliche Mängelanzeige an die Hausverwaltung (per Einschreiben oder E-Mail mit Lesebestätigung), Fristsetzung meist 7-14 Tage. Dokumentieren Sie alles: Fotos mit Datum, Einsatzberichte früherer Betriebe, Aussagen der Nachbarn. Bei Untätigkeit:
- Mietminderung nach § 536 BGB — bei Schabenbefall anerkennen Gerichte meist 10-20 %.
- Ersatzvornahme nach § 536a BGB — Sie beauftragen selbst und holen sich die Kosten zurück.
- Gesundheitsamt einschalten — in schweren Fällen kann das Amt die Hausverwaltung zum Handeln verpflichten.
Unsere Erfahrung
Wir arbeiten seit 2015 mit Berliner Hausverwaltungen zusammen und haben in dieser Zeit mehrere Dutzend Hausbekämpfungen durchgeführt. In 95 % der Fälle ist das Problem nach einer ordentlich geplanten 2- oder 3-phasigen Behandlung dauerhaft gelöst. Wir bieten für Hausverwaltungen auch Wartungsverträge mit monitoring-basierter Kontrolle an.
Bei Verdacht auf Schaben im Mehrfamilienhaus: je früher, desto einfacher. Rufen Sie uns unter 030 340 46 300 oder lesen Sie mehr zur Kakerlakenbekämpfung in Berlin. Für Hausverwaltungen und Vermieter gibt es eine eigene Service-Seite: Schädlingsbekämpfung Mietwohnung Berlin.
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