Hornissen sind nicht Wespen — und nicht zu verwechseln
Ein großer Teil der Anrufe, die uns wegen „Wespen" erreichen, dreht sich tatsächlich um Hornissen (Vespa crabro). Die Verwechslung ist verständlich: Beide sind soziale Hautflügler, beide bauen Nester, beide können stechen. Aber biologisch, rechtlich und praktisch sind sie zwei verschiedene Welten. Wespen der Arten Vespula germanica und Vespula vulgaris — die beiden „echten" lästigen Wespen, die auf Kuchen und Grillfleisch fliegen — sind nicht geschützt und können bei Bedarf entfernt werden. Hornissen dagegen stehen unter strengem Schutz. Wer ein Hornissennest zerstört, begeht eine Ordnungswidrigkeit oder sogar eine Straftat nach §69 und §71 BNatSchG. Bußgelder liegen in Berlin bis zu mehreren Tausend Euro. Der richtige Weg ist Umsiedlung — und dafür braucht es Erfahrung, Ausrüstung und die richtige Genehmigung.
Wir haben in den letzten Jahren in Berlin regelmäßig Hornissennester umgesiedelt — aus Rollladenkästen über Kinderzimmerfenstern, aus Dachböden in Zehlendorf und Frohnau, aus Fassadennischen an Schulen, aus Gartenhäusern und einmal aus einem alten Briefkasten. Die meisten Einsätze verlaufen ruhig und ohne Stich, wenn man weiß, wie man sich den Tieren nähert.
Wie man ein Hornissennest erkennt
Hornissen sind deutlich größer als Wespen — Arbeiterinnen sind etwa 20 bis 25 Millimeter lang, die Königin bis 35 Millimeter. Ihre Färbung ist rötlich-braun am Bruststück mit gelben Bauchringen, nicht das klare Schwarz-Gelb der kleineren Wespen. Das Nest ist größer als ein Wespennest und hat eine charakteristische Bauform: eine grau-braune Hüllschicht aus zerkauten Holzfasern, mit einem einzigen Einflugloch unten, oft mehrere Etagen mit Waben im Inneren. Große Nester können im Spätsommer den Durchmesser eines Basketballs erreichen. Das Einflugverhalten ist ebenfalls unterscheidungsfähig: Hornissen fliegen ruhiger und direkter als Wespen, und sie fliegen auch nachts, was Wespen nicht tun. Wer im Sommer abends eine große dunkle Flugbewegung durch das Kippfenster bemerkt, hat oft Hornissen in der Nähe.
Warum Hornissen geschützt sind
Hornissen sind in Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten selten geworden. Ihr Schutzstatus nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist eine Reaktion auf den Rückgang ihrer Populationen und auf die wichtige ökologische Rolle, die sie spielen. Ein einzelnes Hornissenvolk vertilgt in einer Saison schätzungsweise bis zu 500 Gramm Insekten pro Tag — darunter viele Mücken, Fliegen, Wespen (!) und andere Schädlinge. Hornissen sind also ein natürlicher Schädlingsbekämpfer, der bei ungerechtfertigter Tötung ein Ökosystemdienst verlorengeht. Das Bundesnaturschutzgesetz erkennt diese Rolle an und schützt die Tiere vor willkürlicher Beseitigung.
Für die Praxis bedeutet das: Bevor eine Umsiedlung überhaupt genehmigt wird, muss belegt werden, dass eine Alternative — ein Leben-und-leben-lassen-Kompromiss — nicht möglich ist. Typische legitime Gründe für eine Umsiedlung sind: Standort direkt über einem Spielbereich, Allergiker in der unmittelbaren Umgebung, Nest im Arbeitsweg von Handwerkern oder Pflegepersonal, Nest in einer Kita oder Schule im laufenden Betrieb. Wenn das Nest dagegen ungestört existieren kann, ist der beste Rat oft: Stehen lassen und abwarten.
Der Ablauf einer Hornissenumsiedlung
Wenn eine Umsiedlung wirklich notwendig ist, läuft sie bei uns in mehreren Phasen ab. Erstens die Erstbegehung und Bewertung: Wir schauen uns das Nest an, beurteilen die Zugänglichkeit, schätzen die Volksgröße und den Bauzustand, entscheiden über die geeignete Methode. Zweitens die Kontaktaufnahme mit der Unteren Naturschutzbehörde des jeweiligen Bezirks. Die Genehmigung kann in eindeutigen Fällen schnell erteilt werden; bei dringlichen Fällen akzeptiert die Behörde in der Regel eine mündliche Zusage, die anschließend schriftlich nachgereicht wird.
Drittens die eigentliche Umsiedlung. Wir arbeiten mit Schutzanzug, Saugvorrichtung und einem speziell vorbereiteten Ersatzkasten, der das neue Quartier für das Volk wird. Die Arbeit erfolgt meistens in den frühen Morgenstunden, wenn die Tiere noch kühl und ruhig sind. Wir saugen die Tiere behutsam ab — wichtig ist, dass die Königin mit erfasst wird — und öffnen dann den Nestbereich, um das Nest selbst samt Brut in den Ersatzkasten zu überführen. Das neue Quartier wird an einem passenden Standort in der Umgebung aufgestellt — weit genug vom ursprünglichen Standort entfernt, dass die Tiere sich neu orientieren müssen, aber nah genug, dass sie im vertrauten Habitat bleiben. Geeignete Standorte sind ruhige Waldränder, alte Parkanlagen, naturnahe Gärten.
Viertens die Nachkontrolle. Wir prüfen nach ein paar Tagen, ob die Umsiedlung erfolgreich war — ob die Tiere den neuen Standort annehmen, ob die Königin überlebt hat, ob die Nestreste vom alten Standort vollständig entfernt wurden. Bei einer erfolgreichen Umsiedlung hat das Volk gute Chancen, seinen Jahreszyklus normal abzuschließen.
Was Sie tun können, bis wir kommen
Wenn Sie ein Hornissennest entdecken und es als störend empfinden, aber noch nicht wissen, was Sie tun sollen: Halten Sie Abstand. Zwei bis drei Meter Abstand zum Nest ist in den meisten Fällen völlig sicher. Schließen Sie Fenster in der unmittelbaren Umgebung des Nestes, besonders abends, weil Hornissen auf Licht anfliegen. Informieren Sie Kinder und Besucher, die den Bereich nutzen, freundlich darüber, nicht in der Nähe zu spielen oder zu arbeiten. Vermeiden Sie heftige Bewegungen und Lärm im direkten Umfeld des Nestes — Hornissen interpretieren das als Bedrohung. Und vor allem: Versuchen Sie nicht, das Nest selbst zu entfernen. Das ist nicht nur illegal, es ist auch gefährlich, weil die Tiere dann koordiniert verteidigen.
Wespen, Hornissen, Feldwespen — was ist eigentlich was?
Im Berliner Raum begegnen uns mehrere verwandte Arten, die oft verwechselt werden. Die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe sind die klassischen Sommerwespen, die auf Kuchen fliegen; sie sind nicht geschützt und können bei Bedarf entfernt werden — siehe Wespenbekämpfung. Die Sächsische Wespe baut Nester unter Dachvorsprüngen und ist eher harmlos, steht aber in einigen Bundesländern ebenfalls unter bestimmten Schutzregeln. Feldwespen (Polistes) sind schlank, langbeinig und sehr friedfertig; sie stechen praktisch nie. Die Europäische Hornisse (Vespa crabro) ist die geschützte Art, um die es auf dieser Seite geht. Und zuletzt die Asiatische Hornisse (Vespa velutina), eine invasive Art, die in Deutschland inzwischen auftaucht — bei ihr gilt ein anderer rechtlicher Rahmen, weil sie als invasive Art bekämpft werden darf und muss. Bei Unsicherheit über die Art senden Sie uns gerne ein Foto — wir bestimmen und sagen, ob eine Umsiedlung oder eine Entfernung rechtlich zulässig ist.
Anruf bei akutem Nestfund
Wenn Sie ein Hornissennest gefunden haben und unsicher sind, was zu tun ist — rufen Sie an: 030 340 46 300. Wir besprechen die Situation am Telefon, und wenn möglich bitten wir um ein Foto per WhatsApp, damit wir das Nest und die Situation einschätzen können. Oft ist die richtige Antwort überraschend: nicht entfernen, sondern entspannt mit dem Nest leben, bis es im Herbst von selbst endet. In den Fällen, in denen eine Umsiedlung wirklich nötig ist, organisieren wir sie komplett — Genehmigung, Einsatz, Nachkontrolle, Dokumentation.
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