Wer in Berlin oder Brandenburg eine alte Eiche im Garten hat, sollte sich ab Mai jedes Jahr eine Frage stellen: Sind Brennhaare in der Krone? Der Eichenprozessionsspinner ist seit etwa 2015 in der Region nicht mehr nur ein Forstthema, sondern ein Stadtthema, wir behandeln in jedem Frühsommer Schulen, Kitas, Spielplätze und Privatgärten in Spandau, Reinickendorf, Pankow und im südlichen Brandenburg. Hier ist alles, was Sie wissen müssen.
Was der Eichenprozessionsspinner überhaupt ist
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein Nachtfalter, dessen Raupen sich ausschließlich von Eichenblättern ernähren. Sie wurden für Naturschützer in den 1980er Jahren noch als interessante Mediterran-Wanderart beobachtet, sind heute durch Klimaerwärmung in ganz Deutschland etabliert und in Berlin und Brandenburg stark verbreitet. Die Raupen leben in Gemeinschaftsnestern an Eichenstämmen und ziehen nachts in „Prozessionen" zu den Blättern.
Warum sie für Menschen gefährlich sind
Ab dem dritten Larvenstadium bilden die Raupen kleine, hohle Härchen, sogenannte Brennhaare oder Setae —, die mit einem Eiweißgift namens Thaumetopoein gefüllt sind. Wenn ein Mensch (oder Hund) diese Haare berührt oder einatmet, lösen sie eine starke Hautreizung, in vielen Fällen allergische Reaktionen und in Einzelfällen Atemwegsbeschwerden bis hin zu anaphylaktischem Schock aus. Die Haare lösen sich vom Tier ab, schweben durch die Luft und bleiben monatelang im Boden, in der Rinde und in Spinnweben aktiv.
Das ist der entscheidende Punkt: Die Gefahr endet nicht mit dem Tod der Raupen. Ein Brennhaarteppich am Boden unter einem alten Nest kann auch im Herbst, Winter und nächsten Frühjahr noch zu Hautreaktionen führen. Eichenprozessionsspinner-Befall ist deshalb kein „abwarten und zugucken"-Problem.
Wo der Eichenprozessionsspinner in Berlin vorkommt
Wir sehen ihn schwerpunktmäßig in:
- Spandau und Wilhelmstadt: alte Eichenbestände am Stößensee und Spandauer Forst
- Reinickendorf, Frohnau, Hermsdorf: Villengrundstücke mit Solitäreichen, Tegeler Forst
- Pankow, Buch, Karow: Stadtrand mit Übergang zu Brandenburg
- Treptow-Köpenick: Köpenicker Forst, Schlosspark, Müggelheim
- Brandenburg-Umland: Eberswalde, Schorfheide, Werder (Havel), Beelitz, Rangsdorf
Schulen und Kitas mit alten Eichen auf dem Gelände sind besonders gefährdet. Wir behandeln in Berlin jedes Jahr mehrere Bildungseinrichtungen mit dringenden Anfragen vor Schulanfang im September.
Wie ein Befall aussieht
Im Mai erscheinen die ersten kleinen, dunklen Raupen. Sie sind noch ungefährlich. Ab Mitte Juni bilden sich die ersten Gemeinschaftsnester am Stamm, diese sehen aus wie weißlich-graue Spinnwebballen von Tennisballgröße, die im Lauf des Sommers zu Faustgröße und größer wachsen. In den Nestern stapeln sich die Raupen, die Nesthaut besteht aus alten Häutungen und Kotresten, ein dichter Brennhaarteppich.
Im Hochsommer verlassen die Falter die Nester. Aber: die leeren Nester bleiben hochgefährlich. Wir entfernen jedes Jahr leere Nester aus dem Vorjahr, weil Spaziergänger oder Gartenarbeiter mit Allergiereaktionen ins Krankenhaus kamen.
Was Sie nicht tun sollten
- Kein Wasser draufspritzen: Das verteilt die Brennhaare in der Umgebung und ist gefährlicher als Nichtstun.
- Kein Abkratzen mit Werkzeug: Schon der erste Berührungspunkt verteilt Tausende Haare.
- Nicht abbrennen: Hitze setzt die Brennhaare frei und kann sie über mehrere Hundert Meter verteilen. Außerdem in Berlin verboten.
- Keine Eichenblätter rasen oder mulchen: Wenn unter einem befallenen Baum Laub liegt, das Brennhaare enthält, ist Mulchen ein Pulver-Aerosol-Generator.
Wie wir vorgehen
Unser Vorgehen bei einem akuten Befall:
- Sicherheitssperre: Wir markieren das Gebiet großzügig und bitten den Auftraggeber, Kinder und Hunde fernzuhalten, bis die Behandlung läuft.
- Schutzanzug Klasse 4 (Vollkörperschutz, Atemschutz mit P3-Filter): Eine Behandlung ohne ist nicht zulässig, wir verletzen unsere Sachkunde und gefährden uns selbst.
- Absaugen: Wir verwenden Industriestaubsauger mit speziellen H14-HEPA-Filtern. Die Nester werden komplett abgesaugt, ohne sie zu öffnen.
- Sicherung der Stelle: Wir reinigen den Stamm und den umgebenden Boden mit Spezialklebern und Sprays, die die restlichen Haare binden.
- Entsorgung als Sondermüll: Die Saugbeutel werden nicht im normalen Hausmüll entsorgt, sondern als belasteter Abfall fachgerecht beseitigt.
Eine Standardbehandlung an einem mittelgroßen Baum mit zwei bis drei Nestern dauert etwa zwei bis vier Stunden. Festpreis ab 380 Euro pro Baum, abhängig von Höhe (Steiger nötig?) und Nestanzahl.
Vorbeugung
Wer eine Eiche im Garten hat, kann ab Mai mit Bacillus-thuringiensis-Sprühungen vorbeugend behandeln lassen. Das ist ein biologisches Verfahren, das die jungen Raupen gezielt tötet, ohne andere Insekten zu beeinträchtigen. Vorbeugende Behandlung ist deutlich günstiger als die Entfernung großer Nester im Sommer (ab 180 Euro pro Baum) und vermeidet den ganzen Prozess. Wir bieten in Berlin und Brandenburg Saison-Behandlungen für private und gewerbliche Eichenbestände an.
Wer trägt die Verantwortung?
Auf öffentlichem Grund (Straßen, Parks, Schulhöfe) ist die Stadt Berlin oder der jeweilige Bezirk verantwortlich. Im privaten Garten ist es der Grundstückseigentümer. Bei Mietshäusern mit Bäumen im Hof haftet der Vermieter, wenn er trotz erkennbarem Befall nicht handelt, das ist Verkehrssicherungspflicht. Wir liefern auf Wunsch eine schriftliche Risikobewertung, die Sie gegenüber Mietern, Versicherungen oder Behörden vorlegen können.
Symptome beim Menschen: wann zum Arzt?
Kontakt mit Brennhaaren kann drei Reaktionstypen auslösen:
- Hautreaktion (Raupendermatitis): Rote, stark juckende Quaddeln, ähnlich Nesselsucht. Tritt innerhalb von Stunden auf, hält 1–2 Wochen an. Behandlung: Antihistaminikum, Kortisoncreme, nicht kratzen.
- Augenreizung: Bei Kontakt der Brennhaare mit der Bindehaut: Rötung, Tränen, Fremdkörpergefühl. Sofort mit klarem Wasser spülen. Bei anhaltenden Beschwerden: Augenarzt, da Brennhaare in die Hornhaut eindringen können.
- Atemwegsreaktion: Beim Einatmen von Brennhaaren: Husten, Atemnot, pfeifendes Atmen. Bei Asthmatikern kann dies einen schweren Anfall auslösen. Bei Atemnot: Notarzt (112).
Wichtig: Kleidung, die mit Brennhaaren kontaminiert wurde, nicht in der Wohnung ausziehen, die Haare verteilen sich in der Raumluft. Draußen ausziehen, in einen Müllsack, bei 60 °C waschen.
Erste Hilfe bei Brennhaar-Kontakt
- Kontaminierte Kleidung vorsichtig ausziehen (nicht schütteln)
- Betroffene Hautstellen kalt abduschen (nicht reiben, das drückt die Haare tiefer in die Haut)
- Mit Klebeband (Paketband) über die Hautstelle tupfen, das entfernt oberflächliche Brennhaare
- Antihistaminikum einnehmen, Kortisoncreme auftragen
- Bei Atemnot oder Kreislaufproblemen: Notarzt rufen
Jahreszyklus des Eichenprozessionsspinners
| Monat | Stadium | Gefahr für Menschen |
|---|---|---|
| April | Raupen schlüpfen aus Eiern (1. Larvenstadium) | Gering, noch keine Brennhaare |
| Mai | 2.–3. Larvenstadium, erste Brennhaare | Mittel, Abstand halten |
| Juni–Juli | 4.–6. Larvenstadium, große Nester, maximale Brennhaar-Dichte | Hoch, professionelle Entfernung nötig |
| August | Verpuppung im Nest, Falter schlüpfen | Hoch, Nester voller Brennhaare |
| Sept.–März | Leere Nester und Brennhaare im Boden | Mittel, alte Nester bleiben gefährlich |
Häufig gestellte Fragen
Kann ich den Baum einfach fällen lassen?: In Berlin brauchen Sie für das Fällen von Eichen ab 80 cm Stammumfang eine Genehmigung des Bezirksamts (Baumschutzverordnung). Die Genehmigung wird wegen EPS-Befall allein in der Regel nicht erteilt. Die Entfernung der Nester ist die vorgeschriebene Maßnahme.
Sind Hunde gefährdet?: Ja. Hunde, die unter befallenen Eichen schnüffeln, können Brennhaare einatmen oder über die Schnauze aufnehmen. Symptome: übermäßiges Speicheln, Schwellung der Zunge, Würgen. Sofort zum Tierarzt.
Wie weit fliegen Brennhaare?: Bei Wind können Brennhaare bis zu 200–300 Meter weit getragen werden. Deshalb reicht es nicht, nur den Stamm zu meiden, auch Spielplätze und Sitzflächen im Umkreis können kontaminiert sein.
Eichenprozessionsspinner-Verdacht? Rufen Sie uns an: 030 340 46 300. Während der Saison Mai bis September haben wir Sondertruppen für Schulen und Kitas mit Vorrangbehandlung innerhalb von 48 Stunden.
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